Freitag, 10.08.2012

Gefährdet die Euro-Krise wirklich die Weltwirtschaft? - Zweifel sind angebracht

Sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die Weltbank befürchten, dass die Euro-Krise die Weltwirtschaft gefährdet.

Grotesk wird diese Aussage dann, wenn man den Sichtweisen der beiden folgt, dass sogar eine erfolgreiche Lösung der Euro-Schuldenkrise ein Wachstumseinbruch in vielen Staaten um bis zu 1,5 %-Punkten auslösen würde. Sofern das so sein sollte bleibt die Frage offen, welches die bessere Lösung für die weltwirtschaftliche Entwicklung sein soll? Wenn beide Modelle nicht dazu geeignet sind weltwirtschaftliches Wachstum zu erzeugen, dann kann es fast egal sein, welches Szenario letztendlich zum Tragen kommt. 

Die beiden Institutionen erwarten, dass das Weltwirtschaftswachstum in diesem Jahr bei 3,5 % liegen wird. Wenn man berücksichtigt, dass damit die Prognosen aus dem April um lediglich 0,1 % nach unten revidiert wurden, dann muss man sich die Frage stellen, von welchen, angeblich so dramatischen Auswirkungen hier gesprochen wird.

Glücklicherweise haben die beiden Institutionen aber auch festgestellt, dass nicht nur die Euro-Schuldenkrise an dem Dilemma schuld sein dürfte, sondern auch die nachlassende Wachstumsdynamik in den Schwellenländern. Auch die nicht schnell genug einsetzende konjunkturelle Erholung in den USA sei schuld an der nachlassenden Wachstumsdynamik. Häufig wird als Beispiel für eine schwächere Entwicklung in den Schwellenländer die chinesische Volkswirtschaft herangezogen, die im zweiten Quartal "nur noch" mit 7,6 % gewachsen ist. Damit ist die chinesischen Volkwirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um lediglich 0,5 %-Punkte gesunken. Offensichtlich wird den Chinesen zum Verhängnis, dass sie vor ca. einem Jahr angekündigt hatten ihr Wachstum zu bremsen, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Bekanntlich ist es ihnen gelungen ihre Inflation deutlich zu reduzieren. Wen wundert es dann, dass das Wachstum derzeit nicht mehr im zweistelligen Bereich in China liegt?

Aber auch die Rohstoffmärkte zeigen tendenziell rückläufige Preise. Alleine der Ölpreis der Sorte Brent ging Ende Juni mit USD 88,53 pro Barrel auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr zurück. Wenn man bedenkt, dass manche Ökonomen als größtes Risiko für eine weitere positive weltwirtschaftliche Entwicklung steigende Energiekosten sehen, dann ist diese Entwicklung weltwirtschaftlich betrachtet offensichtlich keine schlechte.

Gerade für die Schifffahrt ist es wichtig, dass die Menge an zu transportierenden Waren weiter kontinuierlich wächst, denn bei vielen Schiffstypen und -größen ist auch weiterhin ein beträchtliches Flottenwachstum zu erwarten. Das gilt insbesondere für Containerschiffe, Massengutschiffe und Tanker.

Autor: Marc Philipp Brandl

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