Mittwoch, 28.01.2015
Anleihenkaufprogramm der EZB: wie sieht es genau aus und welche Wirkungen sind beabsichtigt?
Das Anleihenkaufprogramm der EZB und der nationalen Notenbanken der Eurostaaten, umfasst im Wesentlichen sechs Punkte:
1. Bekannt ist, dass die EZB ab März, in einer Größenordnung von monatlich € 60 Milliarden, in die Ankäufe von vorwiegend Staatsanleihen investieren wird.
2. Die Ankäufe, mit einer monatlichen Summe von € 60 Milliarden, sind bis Ende September 2016 vorgesehen. Die Möglichkeit besteht allerdings auch, dass das Ankaufsprogramm vorzeitig beendet, oder aber auch gegebenenfalls verlängert wird. Abhängig wird das davon sein, wie sich die Inflationsrate in der Eurozone entwickelt. Zielrichtung ist ganz klar - man steuert eine mittelfristige Inflationsrate von 2 % an.
3. Etwa 12 % des Investitionsvolumens pro Monat entfällt auf Ankäufe von Wertpapieren europäischer Institutionen. Gemeint sind dabei beispielsweise die European Investment Bank (EIB), aber auch Einrichtungen, die die Krisenländern unterstützt haben. Damit dürfte beispielsweise der Europäische Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) gemeint sein.
4. Weitere 8 % der Ankäufe entfallen auf staatliche Anleihen. Diese werden direkt von der EZB erworben. Für die verbleibenden 80 % sind die nationalen Zentralbanken der Euro-Länder zuständig, die Staatsanleihen kaufen und dafür dann auch das Risiko tragen.
5. Zum Kauf zugelassen sind Staatsanleihen mit einer Bonitätsnote von mindestens "BBB-". Einige werden wissen, dass diese Bewertung nur eine Hand breit über dem Terminus "Ramschanleihen" liegt. Damit dürfen maximal 33 % der Anleihen eines Staates erworben werden. In der Summe bedeutet das, dass derzeit keine griechischen Staatsanleihen gekauft werden können, da die EZB und andere Zentralbanken der Eurozone schon mehr als 33 % griechische Staatsanleihen halten.
6. Grundsätzlich gilt, dass jeweils maximal 25 %, eines sich im Umlauf befindlichen Schuldentitels, mit diesem Anleihenkaufprogramm erworben werden kann.
Nachdem die Eckdaten des Ankaufprogramms geklärt sind, sollte man sich die erwarteten Auswirkungen ansehen. Grundsätzlich gilt, dass der Ankauf von Staatsanleihen seitens der EZB und der nationalen Notenbanken der Eurostaaten, dazu dienen soll, die Konjunktur anzukurbeln.
Deflationsbekämpfung: einer der, wenn nicht überhaupt der wichtigste Grund für die Anleihenkäufe, ist die Bekämpfung der Deflation. Da die beste Waffe einer Zentralbank hierfür eine Leitzinssenkung ist, wird bei einem Zins von 0,05 % deutlich, dass diese Waffe stumpf geworden ist. Genau deshalb muss die Notenbank andere Wege finden, die Inflation zu erhöhen. Deflationäre Tendenzen, wie seit Jahrzehnten in Japan, sind deshalb so gefährlich, weil Verbraucher und Unternehmen nicht mehr investieren, da sie erwarten, das Produkte oder Investitionen bald noch günstiger zu erhalten sind. Da die Wirtschaft nicht anspringt, wird kaum etwas konsumiert oder investiert, mit der Folge, dass Personal in den Unternehmen abgebaut wird. Es wird noch weniger verdient, sodass nicht mehr investiert werden kann. Damit ist die Abwärtsspirale eingeleitet.
Geldschwämme: um genau das vorbeschriebene Szenario zu verhindern, beginnen die Notenbanken Geld zu schöpfen (drucken) und in Umlauf zu bringen. Zu diesem Zweck kauft die EZB den Geschäftsbanken im großen Stil Wertpapiere ab und hofft damit, dass die Geschäftsbanken das erhaltene Geld in Umlauf bringt.
Fazit: mit dem Ankauf von Staatsanleihen durch Notenbanken, sollten die Anleihenkurse steigen und damit die Renditen sinken. Man hofft jetzt, dass die Geschäftsbanken, aufgrund der fast Null-Renditen bei Staatsanleihen, versuchen, sich von diesen zu trennen und die dann freie Liquidität, in Form von Darlehen, einer schwachen Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Die Folge wäre, dass die Inflationsrate zumindest tendenziell steigen würde. Als Beispiel für einen Erfolg einer derartigen Vorgehensweise, können Großbritannien und die USA angeführt werden, die bereits in der Finanzkrise 2008 zu diesen Instrument gegriffen haben. Die Folge war, dass sowohl die britische, aber auch insbesondere die US-amerikanische Wirtschaft deutlich wieder an Schwung gewann.
Ich hoffe, mit diesen Zeilen etwas Klarheit in die Politik der EZB und der nationalen Notenbanken gebracht zu haben. Ich glaube in der Tat, dass dieses Mittel der Zentralbanken, wie auch in Großbritannien und den USA, zu einem Erfolg führen wird und die europäischen Volkswirtschaften zu einem Wachstum führen wird. Auch hiervon dürfte Deutschland der größte Profiteur sein.
Autor: Marc Philipp Brandl