Für Gegner ist es das "schwimmende Tschernobyl", für Anhänger dagegen ein Symbol einer neuen Zeitrechnung der Energieversorgung: die Akademik Lomonossow. Das russische Schiff, das nahe der Stadt Pewek am Nordpolarmeer vor Anker liegt, ist ein schwimmendes Atomkraftwerk.

In den kommenden 40 Jahren soll es die abgelegene Region mit Strom versorgen. Mit einer ähnlichen Technik will der britische Triebwerk- und Energiekonzern Rolls-Royce den Energiemarkt erobern. Bis 2035 will der Konzern zehn Mini-Kernkraftwerke in Großbritannien ans Netz bringen. Wie das Unternehmen – das organisatorisch und technisch nicht mit der bekannten Automobilmarke verbunden ist – mitteilte, will man bis zum Endes des Jahrzehnts solche Kraftwerke in einer Fabrik herstellen, vor Ort installieren und auch betreiben. Die Mini-Kernkraftwerke können in Massenproduktion sozusagen ab Fließband hergestellt werden. Zudem sind sie so kompakt, dass die einzelnen Komponenten mit einem Lastwagen angeliefert und vor Ort aufgebaut werden können. Damit seien die Kosten vorhersehbar, heißt es bei Rolls-Royce. Umweltschützer sind sich über die Kernkraft uneinig: Viele sagen, sie sei gefährlich und viel zu teuer. Andere denken, dass zur Erreichung der Netto-Null-Emissionen bis 2050 alle Technologien benötigt werden, auch die atomare. Ein Problem war in der Vergangenheit der beim Betrieb anfallende radioaktive Müll. Einen Lösungsansatz verfolgen russische Forscher. Sie glauben, das Atommüll-Problem schrittweise lösen zu können, indem sie einen sogenannten schnellen Reaktor einsetzen, der „seinen eigenen“ Atommüll verbrennen kann. Bei einem Test-Reaktor in Belojarsk namens BN-800 komme im Gegensatz zu normalen Reaktoren kein angereichertes Uran zum Einsatz, sondern ein Plutonium-Uran-Mischoxid (MOX). Das Plutonium stamme derzeit aus ehemaligen sowjetischen Atomwaffen. Das bedeutet also: Der Atomreaktor kann große Teile des Atommülls vergangener Zeiten auffressen und in Energie umwandeln.

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