Ein EU-Gesetzespaket, das die Bedingungen für Fernfahrer verbessern soll, wird auch nach seiner Verabschiedung noch heftig diskutiert. Die Logistikbranche dagegen steht vor praktischen Problemen.

Darum geht es: Das EU-Parlament hat eine Reform beschlossen, nach der die Fahrer ihre vorgeschriebene Wochenruhezeit von 45 Stunden - zumeist am Wochenende - nicht mehr in ihren Fahrzeugen verbringen müssen beziehungsweise dürfen. Unter der Woche, am Ende einer Tagestour oder auf dem Weg zum Ziel, bleibt es erlaubt, in der Fahrerkabine zu übernachten. Um Lohndumping zu verhindern, unterliegen die Fahrer zudem bei längeren Auslandsaufenthalten bis auf wenige Ausnahmen den sozialrechtlichen Bestimmungen des Aufenthaltslandes. Zur Kontrolle werden elektronische Fahrtenschreiber Pflicht. Zusätzliche Bestimmungen gibt es gegen Briefkastenfirmen, damit Speditionsunternehmen sich ihren Firmensitz - und damit das Lohnniveau - nicht einfach aussuchen. Überfüllte Raststätten und mitunter schwer erträgliche Lebensbedingungen für Fahrer sollen damit der Vergangenheit angehören, so das Kalkül. 3,6 Millionen LKW-Fahrer sind auf Europas Fernstraßen unterwegs. Grundsätzliche Zustimmung, aber auch Skepsis kommt von der heimischen Logistikbranche. "Natürlich unterstützen wir das", sagte Benjamin von Cetinich vom Verband Spedition und Logistik NRW dem WDR. Es sei nicht gut, wenn Fahrer unter ihren Lkws schliefen und sich von Ravioli ernährten. Doch die Reform sei nicht durchdacht. "Wo sind die Hotels? Wer bewacht die Fracht? Und wenn sie ein Hotel ansteuern, finden es die Anwohner ganz bestimmt auch nicht toll, wenn 40-Tonner durch ihr Wohngebiet donnern." Zudem ist unklar, wer die zusätzlichen Kosten tragen soll.