Wir erleben das Verschwinden der Harmlosigkeit. Es gibt keine unschuldigen Entscheidungen mehr.

Der perfekte Wirtschaftspolitiker ist auf einmal für die Gesellschaft gefährlich, weil seine Kennziffern – Umsatz, Gewinn, Volksvermögen – und seine Sehnsüchte – weniger Steuern, schlanker Staat, Freiheit! – nicht so recht zum autoritären Imperativ der Virusbekämpfung passen wollen. Der Pandemie-Bekämpfer in seiner Absolutheit wiederum stellt eine Gefahr für den Wohlstand dar und bedroht mit seinem vorsätzlichen Angriff auf die Bürgerrechte die Zivilisiertheit der Zivilisation. Der Mensch könnte am Ende gesund und nackt dastehen, so wie im anderen Fall vermögend und tot. Man dürfe nicht die Gesundheit gegen die Wirtschaft ausspielen, heißt es immer wieder. Doch die Wirklichkeit hält sich nicht an derartige Belehrungen. Sie zwingt genau zu dieser Ausspielung, die wir im politischen Alltag eine Interessenabwägung nennen. Der Gegenspieler wohnt diesmal nicht links und nicht rechts, sondern in uns selbst. Wir verfolgen zwei Ziele, die im Moment nicht auf einem Weg zu erreichen sind. Überall Sackgassen, Schlaglöcher, Abbruchkanten. Auch die Kanzlerin tappt im Dunkeln: Sie sei kein „Zukunfts-Vorherseher“, sagte Merkel im Bundestag.